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Inkontinenz

Die Harninkontinenz ist jeder beklagte unwillkürliche Urinverlust an dem durchschnittlich jede dritte Frau leidet. Experten schätzen die Zahl der Patienten in Deutschland auf derzeit rund vier Millionen Frauen und Männer. Bevorzugt - aber nicht nur - in der Altersgruppe ab 65, davon 75 % Frauen. Es ist gleichzeitig ein Tabuthema: nach außen, denn die wenigsten sprechen darüber, aber auch nach innen, denn viele Betroffene informieren sich nicht oder haben falsche Vorstellungen zum Krankheitsbild.
Medizinisch wird der Verlust der Fähigkeit, Urin bewusst zurück zu halten und den Zeitpunkt der Entleerung selbst zu bestimmen, als Harninkontinenz bezeichnet. Die Harninkontinenz tritt aufgrund unterschiedlicher Ursachen auf, eine genaue Diagnose ist deshalb wichtig. Sie lässt sich in folgende Formen einteilen:
Etwa bei der Hälfte der Inkontinenzfälle handelt es sich um Belastungsinkontinenz. Bei körperlicher Anstrengung (z.B. Lachen, Niesen oder Husten) sowie bei Belastungen (Treppensteigen, Tragen) erhöht sich der Druck auf den Bauchraum. Wenn die Verschlusskraft des Schließmuskelapparates nicht mehr ausreicht, wird ein unfreiwilliger Urinverlust ausgelöst. Davon ist die Dranginkontinenz zu unterscheiden, bei der überdurchschnittlich häufig die Toilette aufgesucht werden muss. Zu den selteneren Formen gehört die Überlaufinkontinenz und die Reflexblase.
Die Betroffenen hoffen beim erstmaligen Auftreten, dass die Harninkontinenz wieder vorübergehen wird. Oft wird das Problem verdrängt oder auch als normale Erscheinung des Alterns bagatellisiert. Doch für die Betroffenen sind die sozialen Folgen der Harninkontinenz in der Regel erheblich, da eine soziale Isolation und eine Einschränkungen der Mobilität die Folgen sind. Dabei kann die Harninkontinenz in den meisten Fällen therapiert werden. Eine schwache Blase ist dadurch kein unabwendbares Schicksal, durch eine ärztliche Behandlung und ein aktives Mitwirken können die Betroffenen wieder ein Stück mehr Freiheit erlangen.
Als Therapie stehen die Beckenbodengymnastik, Medikamente und Operationen im Vordergrund. Die krankengymnastische Behandlung mittels Beckenbodengymnastik wird vorwiegend bei der Belastungsinkontinenz angewendet. Dabei wird die Beckenbodenmuskulatur und damit der Harnröhrenschließmuskel, gestärkt. Ergänzend bestehen eine Reihe weiterer Techniken wie Elektrostimulation, Biofeedbacktraining bzw. die Nutzung einer Rüttelplatte.
Diese Trainingsmethoden werden oft in Kombination mit Medikamenten eingesetzt. Viele eingesetzte Präparate wirken über das zentrale Nervensystem. Dabei wird gezielt versucht, das System der körpereigenen Botenstoffe (sog. Neurotransmitter) zu beeinflussen, das die Funktion der Blase und des Harnröhrenschließmuskels regelt. Erst wenn die vorgenannten, konservativen Behandlungsmethoden versagen, kommt eine Operation in Betracht.
Erleichterungen und Hilfe bringen auch eine zweckmäßige Körperpflege, z.B. spezielle pH-neutrale Waschlotionen für den Intimbereich. Weiterhin gibt es spezielle Slipeinlagen, die den Urin trocken und geruchsneutral einschließen. Trinken Sie trotzdem normal, denn zu wenig Flüssigkeit schadet die Nieren und kann auch negative Auswirkung auf die Blase haben. 


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